Target Panic – Was ist das? Erklärung, Strategien zur Vermeidung und ein funktionierender Ausweg aus der Misere!

Target Panic

Das Phänomen, das im englischen Sprachraum mit „target panic“ oder „gold shyness“ bezeichnet wird hat viele verschiedene Namen und zahlreiche individuelle Erscheinungsformen im Bogensport. Wenn man die kleine Gruppe der Traditionellen Bogenschützen – und das ist schließlich genau unsere Zielgruppe – einmal genauer betrachtet und Schießabläufe, Ergebnisse und Trainingsgewohnheiten so mancher Schützen ansieht, dann ist sogar zu befürchten, dass sehr viele Schützinnen und Schützen Target Panic haben oder sich auf dem besten Weg befinden, Target Panic zu entwickeln.

Leider wird oftmals kaum darüber gesprochen. Target Panic scheint ein gewisses Tabu-Thema im Bogensport zu sein, mit dem niemand Kontakt haben möchte. Es könnte ja ansteckend sein oder abfärben. Alles Quatsch wie ich finde!

Je transparenter man damit umgeht, desto mehr Bogenschützen können von den Erfahrungen, die leider bereits viel zu viele machen mussten, profitieren. In den letzten Jahren fingen zahlreiche Bogensportneulinge mit unserem wundervollen Sport an. Sie alle werden früher oder später mit verschiedenen Ausprägungen von Target Panic Kontakt haben, wenn sie sich nicht vorsehen. Target Panic befällt jeden irgendwann – die einen finden jedoch einen Ausweg und die anderen verirren sich und hängen den Schießhandschuh im schlimmsten Fall irgendwann endgültig an den Nagel! Und ich kenne leider einige der Letzteren.

Das möchte ich vermeiden und mit diesem Artikel insbesondere auf die speziellen aber leider wenig beachteten Eigenarten von Target Panic bei instinktiven Traditionellen Bogenschützen eingehen. Man findet im Internet, Zeitschriften und Büchern viele Abhandlungen zu Target Panic bei Compoundschützen, Recurvebogenschützen oder Blankschützen mit Zielsystem. Zu instinktiven Traditionellen Bogenschießen und Target Panic gibt’s leider kaum etwas Substantielles. Das wollte ich mit diesem Artikel ändern. Entscheide jedoch du, ob mir das gelungen ist!

Damit du direkt eine Übersicht hast, wie ich mich dem Thema Target Panic in meinem weiteren Artikel nähere, hier die Struktur in der Übersicht:

Zunächst geht es um eine Definition des Begriffs „Target Panic“ und dessen Synonymen. Danach geht es um die Ausprägungen von Target Panic, d.h. wie Sie sich im Schützenalltag bemerkbar macht und woran man Schützen mit Target Panic erkennt. Im nächsten Absatz geht es um eine grundsätzliche Betrachtung der Abläufe beim Bogenschießen auf bewusster und unbewusster Ebene gefolgt von einer Ursachenanalyse von Target Panic. Im letzten Teil des Artikels soll es dann darum gehen, wie man Target Panic vorbeugt, von Anfang an bekämpft und ich möchte dir einen dauerhaft wirksamen Plan an die Hand geben, wie du deine Target Panic loswirst und zurück zum „panikfreien“ Schuss findest.

Welche synonymen Begriffe für Target Panic gibt es und was versteht man darunter?

Synonyme Begriffe für Target Panic sind zum Beispiel Goldangst, Scheibenpanik (ja genau, unser Name), Goldfieber oder auch Gold Shyness.

Man versteht unter diesen Begriffen im Bogensport eine Bewegungs-/Handlungsblockade oder zwanghafte Handlung im Schussablauf, die zur Folge hat, dass ein erfahrener Bogenschütze, der jedes Element eines ordentlichen Schussablaufs kennt und auch schon einmal umsetzen konnte, plötzlich seinen Schussablauf nicht mehr in allen Details richtig und kontrolliert durchführen kann. Und das, egal wie sehr er es versucht.

Taget Panic ist geprägt von einem grundsätzlichen Gefühl zu wissen, dass etwas auf eine bestimmte Art und Weise beim Bogenschießen zu tun ist, verbunden mit der eigenen unverschuldeten körperlichen und mentalen Unfähigkeit dieses Wissen beim Schießen jederzeit umsetzen zu können.

Die Ausprägungen von Target Panic im Schützenalltag eines instinktiven traditionellen Bogenschützens

Target Panic hat verschiedenste Facetten, ich setze mich jedoch hier nur mit denjenigen im Bereich des Traditionellen Bogenschießens auseinander, d.h. instinktives Bogenschießen, Gap-Shooting und Split-Vision. Lass‘ uns zunächst aber die Definition von Target Panic nun aber mal mit etwas Leben füllen!

Wenn Target Panic eine wiederkehrende Blockade oder Zwangshandlung im Schussablauf ist, dann kann man durch eine gezielte Beobachtung des Schussablaufs, Schützen mit Target Panic relativ leicht erkennen.

Folgende auffällige Besonderheiten im Schussablauf deuten auf Target Panic bei traditionellen Bogenschützen hin:

Lösen unmittelbar mit Erreichen des Ankerpunkts

Der Schütze zieht den Bogen aus, fokussiert das Ziel und muss unmittelbar nach dem Erreichen seines Ankerpunktes oder Berühren eines Punktes an Wange/Mund den Pfeil lösen. Wenn er das Lösen nicht oder nur sehr schwer hinauszögern kann, liegt vermutlich Target Panic vor.

Lösen deutlich vor dem Erreichen des Ankerpunkts

Der Schütze zieht den Bogen aus und fokussiert das Ziel. Er kommt dabei aber erst gar nicht bis zu seinem Ankerpunkt und in eine vernünftige Rückenspannung, sondern muss bereits deutlich vorher den Pfeil lösen. Manche Schützen kommen sogar nur bis knapp über die Hälfte Ihrer eigentlich möglichen Auszugslänge. Im englischsprachigen Raum nennt man dies „snap shooting“ oder die Schützen „snap shooter“. Dieses mag bei bewegten Zielen oder in Situationen in denen schnell geschossen werden muss durchaus nötig sein. Aber wenn das Schießen ohne Ankerpunkt bzw. ohne Ruhe im Schuss die Regel ist, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Target Panic vorliegt.

Schwierigkeit die Sehne im Vollauszug loszulassen

Manche Schützen können, sobald Sie im Anker stehen und das Ziel fixiert haben schlicht die Finger der Zughand nicht öffnen. Wenn sie die Finger der Zughand dann „gewaltsam“ und bewusst gesteuert öffnen verreißen Sie den Schuss. Auch das deutet auf eine Ausprägung von Target Panic hin.

Lösen sobald die Pfeilspitze auf dem Zielpunkt ist

Einige Schützen mit Zielsystem, müssen den Pfeil mehr oder weniger sofort lösen, wenn die Pfeilspitze auf dem jeweiligen Zielpunkt ist. Sie können keinen Moment länger in dieser Position verharren und den Schuss über die Rückenspannung sauber aufbauen.

Festhängen abseits des Zielpunkts und Springen ins Ziel

Andere Schützen mit Zielsystem frieren regelrecht abseits des Ziels oder Zielpunks ein und können die Pfeilspitze nicht sauber auf dem nötigen Punkt platzieren. Kurz vor der Schussabgabe reißen Sie die Pfeilspitze dann regelrecht ins Ziel.

Woher kommen aber diese Probleme beim Schießen?

Die Probleme beim Schießen sind letztlich alle auf ein- und denselben Grund zurückzuführen: Unser Unterbewusstsein will es auf keinen Fall zulassen, dass unser Körper von einem plötzlichen Einschlag, einer plötzlichen Energiefreisetzung überrascht wird! Es versucht uns zu schützen und spult eine Art automatisches Programm ab, das unserer Kontrolle entzogen ist. Daher haben wir auch meist keinen bewusst willentlichen Einfluss auf das, was in unserem Schussablauf schief läuft.

Um dieses Kernproblem (das bei allen Schießsportarten und z.T. auch bei anderen Vorgängen auftritt) noch besser zu verstehen, muss ich etwas ausholen und den Unterschied zwischen bewussten und unbewussten Vorgängen beim Bogenschießen darstellen.

Grundsätzliche Betrachtung der Vorgänge beim Bogenschießen – Unterscheidung von bewussten und un(ter)bewussten Vorgängen

Alle Bewegungen und motorische Prozesse, die wir durchführen, können auf zwei verschiedenen Ebenen ablaufen. Willentlich bewusst oder unbewusst. Beim Erlernen von Vorgängen und Bewegungen werden beide Stadien durchlaufen.

Anfangs wird jeder neue Bewegungsablauf von uns bewusst gesteuert. Dabei bewegen wir uns meist langsam, grobmotorisch und hölzern. Durch eine häufige Wiederholung wird die Bewegung schneller, feiner und genauer.

Genau in diesem Moment greift unser Unterbewusstsein in die Steuerung der Bewegung ein. Das Unterbewusstsein kann extrem viele auch komplexe Bewegungsabläufe besser steuern als unser Bewusstsein. Bewusst können wir dagegen nur eine einzige Sache zur gleichen Zeit erledigen.

Während wir zum Beispiel nicht gleichzeitig Lesen und einem anderen Zuhören können, klappt das mit dem Pedaletreten beim Fahrradfahren, Sprechen und gleichzeitigem Kaugummikauen wunderbar. Warum? Lesen und Zuhören sind beides bewusste Vorgänge, also solche die unser Bewusstsein steuern muss. Sprechen auch, wohingegen das Pedaletreten und Kaugummikauen oft wiederholte und daher unbewusst ausgeführte Vorgänge sind. Ein Kind das noch nie Fahrrad gefahren ist wird daher auch nicht sprechen und Pedale gleichzeitig treten können.

Wenn wir das Ganze nun einmal auf das Bogenschießen herunterbrechen, so ist für einen Bogensportneuling jede Bewegung und jeder Vorgang ein bewusster Vorgang, der volle Aufmerksamkeit erfordert. Und Bogenschießen ist ein hochkomplexer Vorgang, bei dem viele Einzelaktionen gleichzeitig ablaufen müssen. Atmung, Stand, Bogenarm, Zughand, Rückenspannung, Ankerpunkt usw. sind alles Dinge, die bei der Schussausführung beachtet werden müssen.

Je öfter diese zunächst noch bewussten Bewegungen wiederholt werden und je länger und öfter man schießt, desto mehr greift das Unterbewusstsein in die Steuerung dieser Abläufe ein und übernimmt diese.

Mit „Bogenschießen lernen“ kann man also den Vorgang des Überführens aller Bewegungen während des Schussablaufs vom Bewusstsein ins Unterbewusstsein bezeichnen.

Entwicklung vom unbewussten Ablauf zur Target Panic

Wenn durch das häufige Wiederholen der Abläufe unser Unterbewusstsein daran gewöhnt hat, dass an einem bestimmten Punkt im Schussablauf die Schussabgabe erfolgt, dann will es auch den Moment der Schussabgabe steuern. Und genau an diesem Punkt, beginnt das Problem mit Target Panic!

Das Unterbewusstsein verknüpft das Lösen mit einem bestimmten Trigger, einem bestimmten Ereignis im Schussablauf und entreißt uns die Kontrolle über das Lösen bzw. den weiteren Ablauf. Der Lösebefehl erfolgt dabei automatisch, sobald der Körper bereit ist für den „Einschlag“ und dann eben oft ruckartig, unkontrolliert und zum falschen Zeitpunkt.

Im Normal- und Idealfall ist das bloße Erreichen des Ankerpunkts im Vollauszug mit Rückenspannung und Fokus auf das Ziel nicht der Trigger. Sondern es sollte auch noch eine bewusste Entscheidung oder ein Gefühl dazu kommen, dass man gerade alles richtig macht. In der letzten Phase des Schusses sollte die volle Konzentration auf der Lösebewegung liegen, d.h. der Steigerung der Rückenspannung und dem Follow-Through.

Alle Probleme mit Target Panic rühren also daher, dass unser Unterbewusstsein insbesondere das „Zielbild“ als Trigger für das dann ablaufende automatische und effizientere unbewusste Programm verwendet.

Risikofaktoren, welche meiner Beobachtungen nach am häufigsten Target Panic bei traditionellen Schützen befördern, sind:

  • intensives Fokussieren des Ziels schon vor oder während des Auszugs
  • Erreichen eines bestimmten übermäßigen Anspannungsniveaus der (Rücken-)Muskulatur beim Auszug (Bogen zu stark)
  • eigener Erwartungsdruck

Maßgeblich dabei ist auch die Rückmeldung unseres Bewusstseins an das Unterbewusstsein. Also die Bewertung des Geschehenen. Bei regelmäßiger positiver Bestätigung des Geschehenen, z.B. durch einen tollen Treffer und Freude, obwohl der Schussablauf miserabel war, wird das Unterbewusstsein regelrecht dazu gedrängt, Abläufe zu ändern und zu rationalisieren. Das Ergebnis ist dann eine zunehmende Empfindlichkeit in Bezug auf ungewünschte Trigger und eine aufkommende Target Panic.

Wie vermeide ich das Aufkommen von Target Panic bei mir?

Wenn du glaubst, dass du gegen Taget Panic immun bist, muss ich dich leider enttäuschen. Kein einziger Bogenschütze auf dieser Welt ist davor gefeit. Ganz einfach weil unser Unterbewusstsein funktioniert, wie es funktioniert. Nicht nur im Bogensport ist Target Panic ein Problem, auch in anderen Schießsportarten, Golf, Baseball etc. wird ähnliches – jedoch unter anderem Namen – wahrgenommen.

Du kannst jedoch das Risiko minimieren, indem du die Art, wie du schießt und trainierst, optimierst!

Was macht deiner Meinung nach 98% der Bogenschützen im Training? Richtig! …. Schießen. Und genau da liegt das Problem!

Bei fast allen Bogenschützen besteht das Training nur aus Schießen mit dem Fokus auf das Treffen. Schießtechnik und Bewegungsabläufe werden dabei völlig vernachlässigt. So schleichen sich Fehler in den Bewegungsablauf ein, die durch die Verarbeitung und Verschiebung ins Unterbewusstsein letztlich in Target Panic resultieren.

Doch wie sieht das Training eigentlich bei anderen Sportarten aus? Nehmen wir mal Fußball: Fußballtraining besteht doch auch nicht nur aus Toreschießen, oder? Beim Fußball wird manchmal das Passspiel geübt, das Abstoppen des Balls, das Kopfballspiel, der Zweikampf. Stellungsspiel, Abseitsfalle und der Blick für Freiräume. Sprints und Sprungkraft werden trainiert. Alles Bestandteile des Fußballspielens. Im Training werden diese Dinge auch separat geübt, um die Fähigkeiten zu verbessern und zu verfeinern. Oder besteht das Training nur aus Trainingsspielen? Wohl eher nicht!

Und genau wie beim Fußball müssen auch wir Bogenschützen unser Training unterteilen, wenn wir uns verbessern möchten und die Basics nicht verlernen wollen. Daher ist es ungemein wichtig gerade die Basics Haltung und Schussablauf immer wieder auch separat zu trainieren auch ohne zu Schießen. Nur so vermeiden wir eine falsche Effizienzsteigerung durch das Unterbewusstsein und Kontrollverlust über das Lösen. Baue also bewusst auch Trainingseinheiten, die nicht nur aus „wahrlosem Ballern“ bestehen, in dein Bogenschieß-Training ein. Trainiere Bogenarmhaltung, Rückenspannung, das Fokussieren, die ganze Haltung der Arme und des Oberkörpers immer wieder bewusst, um dein Leistungsniveau zu erhalten und auszubauen.

Einige Trainingstipps und wie du dein Training als instinktiver Bogenschütze strukturieren kannst, habe ich in meinem E-Mail-Trainingskurs zusammengefasst. Schau dort doch mal rein und ziehe die für dich besten Tipps aus diesem Kurs heraus.

Was jedoch, wenn es vielleicht schon zu spät ist oder zumindest schon sehr spät? Liegt Target Panic bei dir vielleicht schon vor?

Wie erkenne ich, ob Target Panic bei mir vorliegt?

Für dich als Schützen selbst ist eine beginnende Target Panic sehr schwer zu erkennen, weil dir meist einfach die nötige Objektivität in Bezug auf die Misstände bei Ausführung des Schusses fehlt. Dass der Schussablauf Fehler aufweist, kannst du selbst eigentlich nur erkennen, indem du dich regelmäßig selbst beim Schießen filmst und diese Videos auswertest.

Wenn deine Target Panic weiter vorangeschritten ist, wirst du es leider auch an den Schießergebnissen und deiner zunehmenden Hilflosigkeit erkennen.

Im Idealfall gibt es einen Trainer oder wirklich erfahrene Bogenschützenkollegen, die dir Feedback geben, wenn sich Auffälligkeiten, wie oben beschrieben, an deiner Schießtechnik bemerkbar machen.

Sobald du erkennst, dass etwas aus dem Ruder läuft und du deinen Schuss selbst nicht 100%ig kontrollieren kannst, solltest du handeln und der Target Panic die Stirn bieten. Wenn man nämlich zu lange wartet, kommt zusätzlich zu den o.g. Problemen der falschen Programmierung des Unterbewusstseins noch eine mentale Barriere, nämlich die Angst vor den Auswirkungen von Target Panic (Gesichtsverlust vor anderen Schützen, Leistungsabfall, etc.) hinzu.

Target Panic besiegen – Der Weg zurück zum kontrollierten Schuss!

Wie bereits oben festgestellt, hat Target Panic also sowohl eine körperliche, reelle Ebene, als auch eine mentale Ebene. Um Target Panic zu besiegen muss man auf beiden Ebenen arbeiten.

Mentale Ebene

Auf der mentalen Ebene kannst du Target Panic nur besiegen, indem du:

  • dir zum einen eingestehst, dass du einen „gestörten“ Schießablauf (Target Panic) hast
  • zunächst aufhörst, beim Bogenschießen an dich irgendwelche Erwartungen (Punkte) zu haben
  • für dich die Entscheidung triffst, ab sofort jeden Schuss kontrolliert abzugeben, egal was passiert.

Betrachte deine Target Panic also als eine temporäre Fehlentwicklung, für deren Korrektur es einfach einiges an kontrolliertem Training, Disziplin und Geduld bedarf.

Körperliche Ebene

Auf der körperlichen Ebene ist es notwendig das fehlerhafte Programm im Unterbewusstsein zu löschen bzw. neu zu programmieren und zu überschreiben. In Bezug auf den bei vorherrschenden Trigger muss eine langsame und systematische bewusste Desensibilisierung stattfinden. Mit Hilfe dieser kommst du nach und nach wieder zu einem kontrollierten und befreiten Schuss zurück.

Bei dem folgenden Prozess, den ich dir gleich aufzeige, ist es ungemein wichtig, dass du, sobald sich bei einer Stufe der Übungen wieder Anzeichen von Verschlechterung breit machen, sofort wieder eine Stufe zurück gehst und die vorherigen Übungen wiederholst. Es kann sein, dass das ein langer und auch langweiliger Prozess sein kann. Aber er ist nötig, um Target Panic zu besiegen.

Ein weiterer wichtiger Hinweis noch vorweg, weil leider immer wieder Maßnahmen empfohlen werden, die alles nur schlimmer machen:

Als Traditioneller Instinktiver Bogenschütze hast du – egal in welchem Verband und nach welchem Regelwerk – nicht die Möglichkeit auf zulässige technische Hilfsmittel zurückzugreifen, die einen neuen Trigger erzeugen können. Wir dürfen keine Clicker und kein Release verwenden. Mein Rat an dieser Stelle daher: Lass das bleiben, denn aus der Target Panic kann man sich nicht herauskaufen! Durch diese Hilfsmittel kommst du vielleicht zunächst weg von einem durch visuelle Reize getriggerten frühzeitigen Lösen, aber du verlagerst das Problem bzw. den Trigger nur wieder. Und von diesem musst du später, wenn du wieder regelwerkskonform schießen möchtest, ja auch wieder wegkommen.

Folgende Vorgehensweisen haben sich aus meiner eigenen persönlichen Erfahrung und der Erfahrung unserer Kunden heraus als höchst wirksam dargestellt, um Target Panic auf der körperlichen Ebene zu besiegen.

Die sechs Phasen des Auswegs aus der Target Panic

1. Phase: Analyse deines Triggers

Um dem Feind zu besiegen muss man ihn zuerst kennen. Daher ist es wichtig zunächst zu analysieren, was genau bei dir der Trigger ist, der das frühzeitige Lösen auslöst. Ist dein Trigger der Fokus auf das Gold der Scheibe oder den Killbereich des 3D-Tiers? Ist es zusätzlich der Kontakt der Zughand mit dem Gesicht? Hast du eher auf weiteren Distanzen das Problem? Versuche das durch Schießen auf unterschiedliche Entfernungen, Zielgrößen und Zielarten herauszufinden.

2. Phase: Mache dir den richtigen Schussablauf nochmals bewusst und lernen ihn neu

Mache dir die Phasen des Schussablaufs bewusst und übe diese „trocken“, also ohne Pfeil. Vielleicht sogar ohne Bogen oder zumindest mit einem sehr leichten Bogen. Um Target Panic zu besiegen, musst du den Schussablauf wieder neu einprogrammieren und Schritt für Schritt bei jedem Schuss abarbeiten. Insbesondere die richtige Haltung beim Bogenschießen ist hier wichtig. Sie minimiert nicht nur deinen Bewegungsradius und lässt dich dadurch präziser schießen. Zusätzlich sorgt die richtige Haltung dafür, dass dein körperliches Anspannungsniveau deutlich sinkt, weil die Kraft des Bogens „auf deinen Knochen“ lastet und nur wenig mit Muskelkraft gehalten werden muss.

Du musst dir ab sofort – wie schon oben beim Punkt „mentale Ebene“ angedeutet – fest vornehmen und für dich entscheiden, ab sofort immer die richtige Haltung einzunehmen, nur noch kontrollierte Schüsse abzugeben und den Schussablauf bis zum Ende durchzuziehen. Egal was passiert!

Die Einteilung der letzten Phase vor der Schussabgabe in einzelne Schritte und die nacheinander folgende regelrechte Abarbeitung dieser Schritte ist essentiell. (Vollauszug → Zielen → bewusste Schussaktivierung).

Insbesondere die bewusste Schussaktivierung hilft dir dabei den Autopilot des Unterbewusstseins in der letzten Phase des Schusses auszuschalten und voll bei der Sache zu sein!

Was meine ich damit? Nach Abschluss des „Zielens“ und wenn du weißt, dass du in der korrekten Haltung mit Rückenspannung und allem drum und dran bist, kommt die kritische Sekunde. In dieser entscheidet es sich, ob der Autopilot den Rest macht und du die Kontrolle verlierst oder ob du dir die Kontrolle zurück holst. In diesem Moment musst du dir die Kontrolle durch eine bewusste Entscheidung, ein „Go“ zurückholen und damit die letzte allerletzte Phase des Schusses „Rückenspannung bis zum Release langsam erhöhen“ ganz bewusst starten.

3. Phase: Schieße blind, um den gelernten Ablauf zunächst körperlich zu spüren

Im nächsten Schritt gewöhnst du dich wieder an den rein körperlich spürbaren korrekten Ablauf des Schießens. Dazu wird blind aus kürzester Entfernung auf ein Ziel geschossen. Mache das so lange, bis du dich an den gesamten neu eingelernten Schussablauf gewöhnt hast. Stelle dir dabei ruhig in deinen Gedanken ein Ziel vor, auf das du schießt.

4. Phase: Schießen ohne zu zielen mit sehr großer Zielauflage / 3D-Tier

In Phase vier wird die visuelle Reizkomponente, also z.B. die Scheibenauflage mit dem Gold wieder hinzugefügt. Wenn insbesondere 3D-Targets dein Problem sind, kannst du auch beginnen auf eine großes 3D-Tier aus kurzer Entfernung zu Schießen, wenn du diese Möglichkeit hast. In dieser Phase ist es wichtig, dass du noch nicht „zielst“, sondern einfach nur 100%ig kontrollierte Schüsse abgibst. Variiere diese Übung, indem du manchmal spontan entscheidest zu schießen und andere male entscheidest wieder abzusetzen, um deinem Unterbewusstsein deutlich zu machen, dass nach dem Ankern und Rückenspannung nicht zwingend und sofort das Release kommen muss. Erhöhe schrittweise die Distanz bis auf maximal 10 Meter. Wichtig ist, dass du die Distanz sofort wieder verkürzt, wenn du merkst, dass du die Kontrolle verlierst.

5. Phase: weitere Desensibilisierung

In der fünften Phase ergänzen wir den Schussablauf um das Zielen, also das konzentrierte Fokussieren eines Zielpunkts und schießen weiter auf ein großes Ziel aus kurzen Entfernungen. Platziere ruhig eine 80er-Auflage auf der Scheibe, auch wenn du nur aus 10 Metern Entfernung schießt. Sollte es dir nicht möglich sein, kontrollierte Schüsse abzugeben oder ohne Schuss abzusetzen, dann vergrößere das Gold mit gelber Farbe, damit du kontrollierte Schüsse auf die Scheibe abgeben kannst. Falls das alles noch nichts hilft, gehe noch einmal zu Phase 4 zurück und über noch einige Zeit weiter ohne zu „zielen“.

6. Phase: Schrittweise Erhöhung der Entfernung und Verkleinerung des Ziels

In der sechsten Phase beginnst du mit der Verkleinerung des Ziels durch eine kleinere Auflage oder auch nur durch Einsetzen eines kleineren „Gold“ in das Gold einer großen Auflage. Ziel ist es weiter zu desensibilisieren und das Unterbewusstsein an das kleine Gold als Zielpunkt zu gewöhnen. Bei jeder „Verschärfung“ der Situation musst du weiter Kontrolle über den Schuss behalten können. Falls das nicht möglich ist, gehe zu einer vorherigen Situation zurück, in der du den Schuss noch kontrollieren konntest. Es hilft auch abwechselnd auf das kleinere und größere Gold zu schießen. Setze zwischenzeitlich auch immer mal willkürlich ab und schieße nicht. Denke daran: Es geht bei diesen Übungen nur um Kontrolle über den Schuss. Diese musst du wiedererlangen und behalten! Es kann lange dauern, aber du wirst es mit der nötigen Geduld schaffen!

Es kann sein, dass du auch mal wieder zwei Phasen zurückgeworfen wirst. Lasse dich dadurch nicht entmutigen und bleibe dran. Es funktioniert zu 100%, wenn du an dich glaubst und die Kontrolle nicht aus der Hand gibst.

1:1-Coaching als Einstieg zum Ausweg aus der Target Panic?

Wenn du die oben genannten Tipps nicht alleine umgesetzt bekommst oder einfach Schwierigkeiten bei der Implementierung der Übungen in dein Training hast, kannst du uns gerne auch einmal hinsichtlich eines 1:1-Coachings ansprechen. In diesem können wir deine Situation genau analysieren und die richtigen Übungen anregen, die dir einen Ausweg aus der Target Panic bescheren können.

Falls du noch Fragen zum Thema Target Panic hast, freuen wir uns, wenn du dich bei uns meldest!

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Daniel Goll

Vor bereits 20 Jahren entdeckte er die Leidenschaft "Traditionelles Bogenschießen" für sich und hat bei zahlreichen Turnieren und Meisterschaften geschossen. Über die Jahre hinweg hat er viele Bogenschützinnen und Bogenschützen bei ihrem Einstieg in das Bogenschießen und dem Erlernen der instinktiven Zieltechnik unterstützt.