Ist dein Bogen zu laut? Mit diesen Maßnahmen kannst du deinen Bogen leiser machen!

Bogen zu laut, wie leiser machen?

Du hast das Phänomen, dass Bögen unterschiedlich laut sind sicher schon häufig bemerkt und dich gefragt, warum manche Bögen eigentlich so laut „knallen“ und andere nicht!

Gerade beim Bogenschießen auf 3D-Parcours wo man ja gerne die Stille und Natur genießt, kann ein zu lauter Bogen schon etwas störend wirken. Daher möchte ich in diesem Blogartikel einmal darauf eingehen, wo diese lauten Geräusche herkommen und wie du sie bei deinem Bogen abstellen kannst.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Ursache für einen zu lauten Bogen immer entweder in lockeren, vibrierenden oder aufeinanderschlagenden Teilen des Bogens zu suchen ist. Diese fangen beim Abschuss dann an zu surren, summen oder zu klappern. Wenn man diese Vibrationen abstellt, indem man zum Beispiel Hohlräume/Zwischenräume füllt oder die Masse der vibrierenden Teile erhöht, wird der Bogen merklich leiser. Aber lass‘ mich nun etwas mehr ins Detail gehen…

In den wenigsten Fällen ist eine Geräuschentwicklung am Bogen auf einen Fehler am Bogen selbst oder gar auf einen Defekt zurückzuführen. Dennoch schadet es nicht den Bogen bei starker Geräuschentwicklung erst einmal auf einen Schaden oder einen Herstellungsfehler zu überprüfen. Insbesondere eine Beschädigung der Wurfarme und ein völlig falscher Tiller sollten ausgeschlossen werden. Danach kann es an die detaillierte Ursachensuche gehen.

Je nach Bogentyp gibt es vier Stellen, an denen beim Abschuss störende und ungewollte Geräusche entstehen können:

  • der Auflagepunkt des Pfeils (Shelf/Bogenfenster)
  • die Sehne selbst
  • die Kontaktflächen der Sehne zu den Wurfarmen
  • die Befestigungspunkte der Wurfarme (beim Take-Down-Bogen)

Die meisten Bögen, die unangenehm im Geräusch auffallen, sind Recurvebögen, insbesondere Take-Down-Recurves mit einem Stecksystem (z.B. ILF). Alle anderen Bögen im Traditionellen Bogenschießen sind weniger stark betroffen.

Geräuschentwicklung am Bogenfenster/Shelf

In 95% der Fälle – zumindest wenn Bogen und Pfeile in einem Fachgeschäft mit halbwegs ordentlicher Beratung gekauft wurden – wird man einen falschen dynamischen Spinewert als Ursache ausschließen können.

Dennoch kommt es vor, dass das Knallgeräusch durch einen Kontakt des Pfeilschafts zum Bogenfenster oder Shelf ausgelöst wird.

Meist kann man einen solchen Kontakt, der dann auch recht „hart“ sein muss, an entsprechendem Abrieb am Filz/Leder der Pfeilauf-/-anlage sehen. Wenn du Pfeile mit einem Wrap verwendest wirst du sogar dort Spuren von diesem Kontakt erkennen können.

Abnutzung am Bogenfenster
Pfeil mit Abrieb am Wrap Bogen zu laut

Beim Abschuss biegt sich der optimal abgestimmte Pfeil – wie du sicher weißt – durch und das im Idealfall so, damit er ohne Kontakt zum Bogen diesen passieren kann. Ist der Pfeil zu steif oder extrem zu weich, dann schlägt er gerne am Bogenfenster an und es gibt einen Knall.

Mehr zum Thema Abstimmung von Pfeilen gibt’s in unserer dreiteiligen Artikelserie zum Pfeilbau und -tuning.

Wenn Abrieb zu sehen ist, sollte also zunächst die Pfeilwahl genauer unter die Lupe genommen werden und ggf. auch Lösefehler, sowie ein falsch sitzender Nockpunkt ausgeschlossen werden.

Es kann auch sein, dass das Knallen vom Verdrehen der Bogenhand beim Abschuss kommt. Einige Schützen haben zu viel Druck auf dem Handgelenk und drehen es beim Lösen dann nach außen. Das Pfeilende wird dadurch gegen das Bogenfenster geschleudert und es knallt.

Gibt es hier keine Beanstandungen bzgl. der genannten Ursachen, kann die Suche weitergehen.

Die Sehne als mögliche Ursache für die Geräuschentwicklung

Sehr häufig ist die Sehne Schallquelle des störenden Geräuschs. Insbesondere wenn es um Summen, Surren und andere Arten von Vibrationen geht. Bei jedem Schuss schwingt die Sehne nach Verlassen des Pfeils solange nach, bis sie sich wieder in ihrer ursprünglichen Ruheposition befindet. Bei diesem Nachschwingen werden Vibrationen erzeugt, die man oft sowohl in der Bogenhand spüren (Handschock) und natürlich auch hören kann.

Grundsätzlich kann man sagen: Je weiter die Bogensehne durch schwingt, je dünner die Sehne ist und je mehr Teile des Bogens mitschwingen, desto lauter und zugleich störender ist der Ton.

Tipp 1: Standhöhe verändern

Als erstes sollte man versuchen durch Ändern der Standhöhe eine hörbare Verbesserung herbeizuführen. Eine größere Standhöhe und damit mehr Vorspannung auf dem Bogen, macht ihn oft schon spürbar leiser. Taste dich einfach langsam mit der Standhöhe nach oben und beobachte die Veränderung.

Wir haben bei Recuvebögen schon oft die Erfahrung gemacht, dass man bis zu ½“ über die „empfohlene“ Standhöhe gehen muss, bis er leiser wird. Versuche es einfach mal.

Tipp 2: Dicke der Sehne (Strangzahl) verändern

Eine dünne Sehne ist nicht nur schneller und schwingt dann auch mehr durch, sondern der Ton ist auch höher und lauter im Vergleich zu einer dickeren Sehne. Das ist ähnlich wie bei einer Gitarrensaite. Die dickeren Saiten geben wesentlich tiefere Töne ab, als die dünnen – auch wenn sie gleich gespannt sind und gleich hart angeschlagen werden. Du kannst versuchen durch eine etwas dickere Sehne – also mit mehr Strängen – dem störenden Geräusch den Garaus zu machen.

Tipp 3: Baue Sehnengeräuschdämpfer in die Sehne ein

Sehnengeräuschdämpfer helfen ebenfalls, wenn die Sehne vibriert und dadurch laut erscheint. Sie bremsen durch ihren Luftwiderstand und das Eigengewicht die Sehne ab und reduzieren damit Vibrationen. Sehnengeräuschdämpfer gibt es aus Fellstreifen (meist genannt Beaver-Puffs) und auch aus Gummifäden (Cat-Whiskers) fertig zu kaufen. Alternativ kann man auch Wollfäden oder Moosgummi/Filzstreifen in die Sehne einlegen.

Die Montage ist recht einfach. Die Dämpfer werden immer sowohl in der oberen, als auch unteren Hälfte der Sehne in identischem Abstand zu den Tips des Bogens eingesetzt. Dabei gilt: je weiter sie in der Mitte sitzen, desto stärker ist der Dämpfungseffekt – der Verlust an Pfeilgeschwindigkeit aber auch. Daher gilt es hier die für dich und deinen Bogen optimale Lage der Dämpfer auf der Sehne durch Ausprobieren selbst herauszufinden.

Ideal ist ein Abstand der Geräuschdämpfer von den Öhrchen der Sehne von auf der einen Seite 1/6 der Sehnenlänge und der anderen Seite 1/10 der Sehnenlänge herausgestellt. Das heißt bei einem 62-Zoll-Bogen: 15 und 25 cm von den Öhrchen der Sehne entfernt. Du kannst aber natürlich auch mit anderen Positionen herumprobieren.

Zum Anbringen von Dämpfern wie Beaver-Puffs wird die Sehne an der gewünschten Stelle geöffnet der Geräuschdämpfer durchgesteckt. Anschließend wird er mit dem Fell nach außen eng anliegend um die Sehne gewickelt. Zum Abschluss wird er wieder durch die Sehne gesteckt. Nach einigen Schuss hat sich das Fell dann wieder so ausgerichtet, dass ein schöner Ball entsteht.

Die Kontaktflächen der Sehne zum Wurfarm als Ursache für Geräusche

Bei Recurvebögen verursacht die Sehne manchmal auch durch das Aufschlagen auf dem Wurfarm unschöne Knallgeräusche.

Diese Geräusche kann man manchmal durch eine Veränderung der Standhöhe in den Griff bekommen.

Als in jedem Fall hilfreich hat sich aber das Anbringen von kleinen Polstern aus Filz oder ähnlichen Materialen an diesem Auflagepunkt der Sehne herausgestellt. So kann die Sehne nicht mehr auf dem Wurfarm direkt aufschlagen, sondern nur noch auf dem Polster.

Sowohl das Knallen, als auch eine Vibration an dieser Stelle wird dadurch verhindert.

Befestigungspunkte der Wurfarme als Schallquelle

Bei Take-Down-Bögen kann es vorkommen, dass die Wurfarmaufnahmen selbst Geräusche machen, indem sie vibrieren oder klappern . Hier solltest du zunächst sicherstellen, dass alle Schrauben fest angezogen, bzw. bei ILF-Systemen, dass nichts unnötig locker ist. Bei „normalen“ Take-Down-Bögen mit einfacher Verschraubung kann man u.U. in den Spalt zwischen Wurfarm und Mittelteil eine dünne Lage Gummi oder ähnliche Materialien einfügen, wenn hier ein Spiel vorhanden ist, welches zu Geräuschen führt.

Bei ILF-Systemen kann man an dieser Stelle leider nur bedingt eingreifen, indem beispielsweise vorhandene Hohlräume unter den Wurfarmen im Stecksystem selbst mit Watte oder Ähnlichem ausgefüllt werden. Ein Gewisser Geräuschpegel wird bei ILF-Systemen aber immer vorhanden sein.

Zusammenfassung

Wie du also siehst, gibt es zwar durchaus einige mögliche Ursachen für einen zu lauten Bogen. Aber durch schrittweise Kontrolle und Tuning der hier aufgeführten vier Breiche an deinem Setup, kannst du den Bogen deutlich leiser machen, wenn du das möchtest.

Daniel Goll

Bereits vor über 20 Jahren entdeckte er das Tradi­tionelle Bogen­schießen für sich und hat bei zahl­reichen Tur­nieren und Meister­schaf­ten geschos­sen. Über die Jahre hinweg hat er viele Bogen­schütz­innen und Bogen­schützen bei ihrem Einstieg in das Bogen­schießen und dem Er­lernen der in­stink­tiven Ziel­tech­nik unterstützt.

Daniel Goll

Bereits vor über 20 Jahren entdeckte er das Tradi­tionelle Bogen­schießen für sich und hat bei zahl­reichen Tur­nieren und Meister­schaf­ten geschos­sen. Über die Jahre hinweg hat er viele Bogen­schütz­innen und Bogen­schützen bei ihrem Einstieg in das Bogen­schießen und dem Er­lernen der in­stink­tiven Ziel­tech­nik unterstützt.