Intuitives Bogenschießen – Was diese Art des Bogenschießens vom Sportschießen unterscheidet und warum wir eigentlich lieber den Begriff Instinktives Bogenschießen verwenden

Instinktives oder Intuitives Bogenschießen

Die drei Begriffe Intuitives Bogenschießen, Traditionelles Bogenschießen und Instinktives Bogenschießen sind schon seit vielen Jahren in der Bogenszene in aller Munde. Die Übergänge zwischen den Begriffen scheinen fließend und wenig trennscharf zu sein. Häufig werden die Begriffe irreführend oder gar falsch verwendet und Anfänger im Bogensport sind dann oft überfordert, weil das Gemeinte nicht zu dem Gesagten passt oder umgekehrt.

In diesem Artikel möchten wir daher die Begriffe etwas voneinander abgrenzen und dadurch mehr Klarheit für alle Beteiligten erreichen.

Traditionelles Bogenschießen und Sportbogenschießen

Unter der Bezeichnung Traditionelles Bogenschießen kann man die Gruppe derjenigen Bogenschützen einordnen, die mit Bögen einfacher Bauweise (Langbogen und Recurvebogen aus überwiegend natürlichen Materialien, wie z.B. Holz) und ohne technische Hilfsmittel wie Visiere, Stabilisatoren und Auslösehilfen schießen. Das Wort „traditionell“ meint dabei nichts weiteres als die Orientierung an historischen Vorbildern in Bezug auf das Material. Das Gegenteil davon ist sozusagen das moderne Sportbogenschießen, bei dem hochtechnische Bögen mit Metallmittelteilen, Hochleistungswurfarmen aus Carbon und Fiberglas und häufig weitere technische Hilfsmittel wie Stabilisatoren und Auslösehilfen verwendet werden. Die Begriffe Traditionelles Bogenschießen und Sportbogenschießen beziehen sich also in aller erster Linie auf die verwendete Bogenausrüstung.

Intuitives Bogenschießen, Instinktives Bogenschießen und Bogenschießen mit Visier- und Zieltechniken

Die Begriffe wie intuitives Bogenschießen und instinktives Bogenschießen beziehen sich im Gegensatz zu den zuvor genannten Begriffen Traditionelles Bogenschießen und Sportbogenschießen ausschließlich auf die Art wie der Zielvorgang abläuft.

Sie meinen also die verwendete Zieltechnik im weitesten Sinne.

befiederte Pfeile ausschießen

Es gibt also – betrachtet man das verwendete Material – auf der einen Seite die Gruppe der Sportbogenschützen und auf der anderen Seite die Gruppe der Traditionellen Bogenschützen. Betrachtet man dagegen die Art des „Zielens“, so gibt es die Gruppe der Intuitiven/Instinktiven Bogenschützen und die der visierenden Schützen. Man kann das in etwa so darstellen:

Schaubild Infografik Traditionelles Bogenschießen Sportbogenschießen Instinktives Intuitives Bogenschießen

Es kann also auch Sportbogenschützen (Compound oder Olympic-Recurve) geben die intuitiv/instinktiv schießen, genauso wie es Langbogenschützen geben kann, die über den Pfeil zielen.

Was ist der Unterschied zwischen dem Intuitiven Bogenschießen und dem Instinktiven Bogenschießen?

Den Unterschied zwischen diesen beiden Begriffen und warum es Sie gibt zu erklären ist nicht einfach. Denn es gibt an und für sich keinen Unterschied bei dem was beide Begriffe meinen! Warum für ein- und dieselbe Sache im deutschsprachigen Raum seit einiger Zeit beide Begriffe verwendet werden ist nicht abschließend erklärbar. In anderen Sprachräumen gibt es diese Doppelbezeichnung nicht.

Der Begriff Instinktives Bogenschießen wurde wohl vor allem von dem amerikanischen Bogenjäger und Bogenlehrer G. Fred Asbell geprägt, der seine Art einfache Lang- oder Recurvebögen ohne technische Hilfsmittel und unter Zuhilfenahme von Hand-Auge-Koordination zu schießen in seinen beiden Büchern „Instinctive Archery“ (Ersterscheinung im Jahr 1988) und „Instinctive Archery 2“ dargelegt hat.

Die direkte Übersetzung des Buchtitels ins Deutsche ergibt den Begriff „Instinktives Bogenschießen“, der viele Jahre lang auch akzeptiert war und praktisch von allen für diese Art des Schießens- und Zielens genutzt wurde.

Mit der Zeit entdeckten jedoch scheinbar einige spitzfindige Bogenschützen oder Bogensporthändler, dass es Definitionen des Begriffs „Instinkt“ gibt, die mit den Vorgängen und Lernprozessen beim Bogenschießen nicht in Einklang zu bringen seien und verwendeten alsdann den Begriff „Intuitives Bogenschießen“.

Beide Begriffe stehen also für exakt das gleiche und können unserer Meinung nach gleichberechtigt nebeneinander verwendet werden. Wir haben uns dabei entschieden den historischen und von Fred Asbell geprägten Begriff „Instinktives Bogenschießen“ zu verwenden.

Was macht Instinktives Bogenschießen nun aber aus?

Beim Instinktiven Bogenschießen wird also – wie oben bereits erläutert – zur Ausrichtung des Pfeils auf das Ziel kein Bogenvisier oder sonst ein Referenzpunkt, wie zum Beispiel die Pfeilspitze vom Schützen genutzt. Vielmehr nutz der instinktive Bogenschütze alleine seine unterbewusst gesammelte Erfahrung, die er durch die Schießpraxis auf verschiedenste Entfernungen und Geländesituationen in seiner Bogenschieß-Laufbahn gesammelt hat. Er schafft es so, Hand (also Bogen und Pfeil) und Auge (Fokus auf den gewünschten Zielpunkt) so in Übereinstimmung zu bringen, dass er trifft. Es handelt sich dabei im Gegensatz zu anderen Zieltechniken um einen völlig unbewussten Vorgang.

Ein instinktiver Bogenschütze zielt/visiert also nicht im eigentlichen Sinne! Genauso wenig zielt ein Fußballer oder Golfspieler. Alle haben gemein, dass sie sich auf das, was sie treffen wollen, fokussieren und ihr Unterbewusstsein den Körper die richtigen Bewegungen wie von alleine ausführen lässt.

Bist du ein schlechter Werfer? Wenn du jeden Tag im Büro das Werfen von Papierknäueln aus unterschiedlichsten Entfernungen in den Papierkorb übst, wirst du merken, dass du mit der Zeit immer sicherer wirfst und häufiger triffst. Du programmierst durch diesen Trainingsvorgang dein Unterbewusstsein, das dich beim Werfen mittels der dem Menschen innewohnenden Fähigkeit zur Hand-Auge-Koordination anschließend steuert und das zuvor erlebte wiederholen lässt – und so triffst du anschließend. Und exakt so verläuft auch der Lernvorgang beim Instinktiven Bogenschießen.

Instinktives Bogenschießen lässt sich also Zusammenfassen als „Bogenschießen ohne bewusstes Zielen“. Es ist unserer Meinung nach aber auch noch mehr: Denn so kompliziert sich diese Art des Schießens nun auch anhören mag, so einfach ist sie eigentlich gegenüber allen anderen Arten Bogen zu schießen. Gerade weil es keine technischen Hilfsmittel gibt, ist es die einzige Art des Bogenschießens, die immer funktioniert, egal welche äußeren Umstände vorherrschen. Daher ist es auch seit Jahrtausenden die Art des Bogenschießens, die von Urvölkern ausgeübt wird. Diese Unabhängigkeit schwingt auch beim Praktizieren des instinktiven Bogenschießens mit. Du kannst es überall ausüben, in der Halle, im Garten im Wald. Es schwingen auch immer Gefühle und Bilder wie Lagerfeuerromantik, wilde Natur, Sonnenschein und Abenteuer mit.

Lagerfeuer Gruppengefühl Abenteuer Natur

Vorteile des Instinktiven Bogenschießens gegenüber sämtlicher anderer Ziel-/Visiertechniken

Beim Instinktiven Bogenschießen hast du die Möglichkeit auf bewegte Ziele zu schießen. Daneben gelingt durch den unterbewussten Vorgang eine wesentlich schnellere Schussabfolge, da der Vorgang des Visierens wegfällt. Auch ist hier ein Schießen mit Kreuzdominanz ohne Weiteres möglich und man ist weitestgehend auch von Lichtverhältnissen unabhängig. Man ist in der Wahl des Bogens völlig frei, denn alle Arten von Bögen können instinktiv geschossen werden und man muss sich nicht mit technischem Equipment herumschlagen, wenn man das nicht möchte. Es ist von jedem Menschen erlernbar, wenn er sich auf die zum Erlernen benötigten Prozesse einlässt.

Als Einzig beide Nachteile könnte man die große Abhängigkeit von psychologischen Faktoren sehen, die den eigenen Fokus und die Konzentration beeinflussen. Wenn man beim instinktiven Bogenschießen nicht zu 100% konzentriert an der Sache ist, wird es nicht konstant gut funktionieren. Dadurch ist die erreichbare Schusspräzision innerhalb einer gewissen Folge von Schüssen tendentiell schlechter als bei visierenden Schützen. Zudem dauert es länger diese „Zieltechnik“ zu erlernen und man ist vom stetigen Training abhängig.

Warum verwenden wir den Begriff Instinktives Bogenschießen und nicht Intuitives Bogenschießen? – Kritik an der Debatte um die Begriffe

Das Hauptargument gegen die Bezeichnung des unbewussten Zielens als „instinktiv“ ist wohl eine bei Wikipedia zu findende Definition von Instinkt. Dort heißt es:

„Instinkt […] bezeichnet im Allgemeinen einen angeborenen Mechanismus der Verhaltenssteuerung, das heißt, die innere Grundlage (den „Antrieb“) eines vom Beobachter wahrnehmbaren Verhaltens von Tieren (erbkoordiniertes Verhalten). […] Einige Autoren verweisen auf das Phänomen einer spontan […] ansteigenden Handlungsbereitschaft als wesentliches Element eines Instinkts […].“

Kritiker argumentieren daher, dass weil Bogenschießen ein erlernter Vorgang sei und der Mensch Bogenschießen nicht von Geburt an könne, die Bezeichnung Instinktives Bogenschießen falsch sei.

Es liegt dabei auf der Hand, dass diese Argumentation zu kurz gesprungen ist, weil…

  1. Wikipedia is zwar eine sehr umfangreiche Wissensdatenbank und viele Artikel weisen eine sehr gute Qualität auf. Aber es ist eben keine wissenschaftlich anerkannte Informationsquelle. Praktisch jedermann kann dort Artikel einstellen, Wissen editieren und Beiträge lektorieren. Zwar unterliegen Artikel einer gewissen Kontrolle durch die Community, aber oft fehlt die nötige Expertise, akademische Qualifikation und auch sprachliche Exaktheit der Autoren, um für 100%ige Richtigkeit der Artikel zu garantieren und die Themen mit allen Ihren Facetten darzustellen. Sollte man daher nicht lieber andere Quellen zur Argumentation heranziehen?
  2. Instinktives Bogenschießen meint nicht die Bewegung/Vorgang beim Schießen (Schießtechnik), der sicherlich erlernt ist, sondern den „Zielvorgang“ bzw. dessen Grundlage an sich. Und diese ist die dem Menschen innewohnende Fähigkeit zur Hand-Auge-Koordination, also durchaus etwas, das von Geburt an vorhanden ist. D.h. würde man die eingangs von Wikipedia zitierte Definition trotz dem unter Punkt 1 dargelegten heranziehen, so ließe sie sich durchaus in Übereinstimmung mit der Verwendung des Begriffs „Instinktives Bogenschießen“ bringen.
  3. Wenn man der Wikipedia-Definition grundsätzlich vertraut und den Artikel als das einzig wahre betrachtet, muss man aber auch erkennen, dass in dem Artikel zu Instinkt aber auch steht, dass es durchaus andere Definitionen des Begriffs „Instinkt“ gibt, und dass „[die] Bezeichnung Instinkt […] jedoch sowohl in der Verhaltensforschung, als auch in der Psychologie nie eindeutig definiert [wurde], sondern von unterschiedlichen Autoren jeweils unterschiedlich verwendet [wird]“. Auch im Herder Lexikon der Biologie hieß es, dass „Instinkt [ein] umstrittener Begriff“ sei. Insofern verbietet sich aus unserer Sicht jede abschließende Beurteilung der Verwendung des Instinktbegriffs. Insofern verbietet sich auch jede Kritik am Begriff „Instinktives Bogenschießen“.
  4. Es geht eigentlich ja auch um das Wort instinktiv und dessen Verwendung in der deutschen Sprache und weniger um eine genaue Definition von Instinkt. Betrachtet man die Diskussion daher aus sprachwissenschaftlicher Sicht und blickt in den Duden, so heißt es dort, dass instinktiv und intuitiv synonym verwendete Begriffe sind, wie u.a. auch gefühlsmäßig, unbewusst, unwillkürlich, aus dem Bauch und unterbewusst.
  5. Warum muss man einen viele Jahre lang gültigen und eingeführten Begriff (siehe Ausführungen über G. Fred Asbell) mit aller Gewalt ändern? Wir sehen den Sinn darin nicht! Wer und warum hat damit angefangen?
  6. Die Vehemenz mit der Kritiker am Begriff „Instinktives Bogenschießen“ versuchen, diejenigen die ihn verwenden als unwissend und dumm dastehen zu lassen ist schon beeindruckend und hat stellenweise Züge einer Hexenverfolgung. Solch ein Verhalten ist dem Bogensport eigentlich fremd und wir lehnen es mit aller Entschiedenheit ab. Niemand sollte die Deutungshoheit über Begriffe innehaben und seine Meinung über einen Begriff – und es geht hier ja wirklich nur (!) um die Bezeichnung – als das einzig wahre und unumstößlich Richtige zu befinden.

Wir haben uns daher schon vor langer Zeit entschlossen, den Begriff Instinktives Bogenschießen folgerichtig weiter zu verwenden und nicht auf den sich durch Spalterei und Negativität auszeichnenden Zug der vehementen Verfechter des „intuitiven“ aufzuspringen.

Zusammenfassung & Resümee

Egal welchen Begriff du für dich verwenden magst, vergiss nicht, dass beide exakt das gleiche meinen und es daher keinen Grund zum Streit darüber gibt.

Anstatt sich über die Bezeichnung zu streiten und dem jeweils anderen seinen Fehler aufzuzeigen, sollten die unbewusst zielenden Traditionellen Bogenschützen lieber über wichtigere Themen sprechen und voneinander lernen, sowie Erfahrungen austauschen.

Lasst uns daher gegenseitig helfen und sowohl unsere Schießtechnik, Zieltechnik, als auch die Abstimmung unseres Verwendeten Materials verbessern. Wenn du das auch möchtest, bist du jederzeit herzlich bei uns willkommen. Wir freuen uns auf anregende Gespräche.

Wie ist deine Meinung dazu? Wir freuen uns über dein Feedback!

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Daniel Goll

Vor über 15 Jahren entdeckte er die Leidenschaft "Traditionelles Bogenschießen" für sich und hat bei zahlreichen Turnieren und Meisterschaften geschossen. Über die Jahre hinweg hat er viele Bogenschützinnen und Bogenschützen bei ihrem Einstieg in das Bogenschießen und dem Erlernen der instinktiven Zieltechnik unterstützt.